Upgrading Maria- oder ein anderes Marienleben


Am Freitag stand mein zweites „Marienleben“ gemeinsam mit UMD Constantin Alex an. Wir haben diesen umfangreichen und anspruchsvollen Zyklus von Paul Hindemith basierend auf Gedichten von Rainer Maria Rilke in 4 Proben hochgeholt.


Wir trafen uns um 16.30Uhr in der Stephanuskirche in Berlin zur Anspielprobe. Das Konzert fand um 18.30 Uhr im Rahmen einer Ausstellung „Upgrading Maria“ und kurz nach der „offenen Kirche„ die jeden Freitag von 16-18h durchgeführt wird, statt.


Die Stephanuskirche liegt im Wedding an der Prinzenallee. In dieser Straße finden sich Neubauten neben Altbauten, unzählige kleinere Läden, Kioske säumen das belebte Bild dieses multikulturellen Kiez. In den Seitenstrassen liegt viel Müll und Sperrgut auf den Gehwegen. Im großen Ganzen wirkt die Gegend eher ärmlich.

Und dann befindet sich da die auch rennovierungsbedürftige Stephanuskirche, mit einem Eiswagen vor der Kirche und netten Sitzgelegenheiten. Es ist eine große, aus roten Backsteinen gebaute Kirche. Der Kirchenraum ist sehr groß und an der Decke schwebt der größte Kronleuchter Berlins. Die grosse Orgel ist eine der größten romantischen Orgeln Berlins. Wenn man reinkommt wirkt die Kirche etwas düster und man ahnt, dass dieses Gebäude auch schon bessere Zeiten erlebt hat. Die Ausstellung „Upgrading Maria“ zeigt einerseits zeitgenössische Bilder von Maria, aber auch Altäre der Marienverehrung. Die Architektur ist schön und einheitlich mit vielen liebevollen Details, wie den schön ausgearbeiteten Engeln, die den Sockel des Altars zieren. Vor dem Altar steht ein alter Flügel, den wir gestimmt vorfanden. Leider wäre auch der Flügel überholungsbedürftig. Die Mechanik der Hämmer war schwerfällig und die Filze der Hämmerchen abgenutzt. Es war für Constantin sehr schwer Klang aus diesem Instrument zu holen.


Dieses Konzert kam durch das Engagement von Stefan Höppe zu Stande. Stefan engagiert sich sehr für die Kultur und dass die Stephanuskirche für kulturelle Veranstaltungen wie Ausstellungen und Konzerten genutzt wird und somit ein lebendiges Zentrum und eine Begegnunsstätte der Menschen wird und bleibt. An seiner Seite sind Mitglieder des Kirchgemeinderates unterstützend tätig.

Jeden Freitag stehen Menschen der Kirchgemeinde während der offenen Kirche als Ansprechpartner den Leuten des Kiez zur Verfügung. So kommt es zu echten Begegnungen, Gesprächen. Vor und in dieser Kirche ist ein ständiges Kommen und Gehen.


Das haben wir auch bei unserem Konzert bemerkt. Das Konzert begann mit einer Verspätung von ungefähr 10Minuten. Das Publikum kam und ging und bestand aus einem „Kern“ von 25-30 Zuhörern. Meine Tochter durfte während des Konzerts IPad gucken. Das hatte zur Folge, dass die Kinder hinter ihr mitschauen wollten und es unruhig wurde. Für uns war es eine große Herausforderung uns von nichts ablenken zu lassen und den Bogen über den ganzen Zyklus zu spannen. Bei mir dauerte es etwas bis ich meine Konzentration gefunden hatte. Trotz einigen Kleinigkeiten sowohl bei mir als auch bei Constantin, war es ein schönes, lebendiges Konzert. Das Publikum war tief berührt. Eine Frau, die sonst nichts mit klassischer Musik am Hut hat und vor Hindemith gewarnt worden war, möchte von uns unbedingt dann eine CD haben. Dieses Werk und unser Vortrag hätte sie wirklich tief ergriffen.

Für diese Gegend war die Kollekte nach dem Konzert, die uns Künstlern zukam, großzügig. Unter Künstler Aspekten sehr bescheiden. Doch uns ging es bei dem Konzert nicht ums Geld. Es ging uns hauptsächlich darum das Werk für unsere bevorstehende Aufnahme zu festigen und einen Beitrag für die Kultur in diesem Kiez zu leisten.


Ich habe allergrößten Respekt vor all den Menschen, die versuchen über Kultur einen Ort der Begegnung zu schaffen. Wo Kultur stattfindet, finden oftmals auch Gespräche zwischen Menschen statt und Begegnungen, die unsere Gesellschaft bereichern. Kultur kann ein wichtiger Beitrag für ein friedliches Zusammenleben der vielen, verschiedenen Menschen sein. Deswegen unterstütze ich gerne solche Kulturveranstaltungen, auch wenn ich weiß, dass ich da nicht viel verdienen kann. Dafür kann ich oftmals Menschen eine neue, musikalische Türe aufmachen, die sonst nicht unbedingt in die Philharmonie oder das Konzerthaus gehen, oder gehen können und das ist mir wichtig. Ich möchte die Musik zu den Menschen bringen und ihnen Berührungsängste nehmen. Klassische Musik muss weg vom Elitären, wenn sie auf lange Sicht gesehen, weiterleben will und Menschen wie Stefan Höppe und sein Team tragen einen grossen Beitrag dazu bei mit ihrem Engagement für die Kultur, Kunst und Musik!









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