Aus dem Leben einer Opernsängerin

ATMEN


DURCHATMEN.

Es ist Sommer. Wir dürfen wieder an viele Orte reisen trotz Covid-19, natürlich unter Einhaltung der üblichen Auflagen, an die sich nicht immer alle halten, aber das ist eine andere Geschichte. Nach den letzten Wochen und Monaten sind viele von uns einfach dankbar, wieder einmal AUFATMEN zu können und am Ferienort DURCHZUATMEN. Oft hilft uns der Kulissenwechsel unseren Alltag hinter uns zu lassen, auf andere Gedanken zu kommen und zu entspannen. Manche machen lange Urlaube von zwei bis drei Wochen andere eher kürzere von ein paar Tagen. Ich gehöre dieses Jahr eher zu den Kurzurlaubern und war gerade mit meiner Familie im nördlichsten Mittelgebirge Deutschlands dem Harz im kleinen Ort Tanne. Die Landschaft sieht meiner Kindheitslandschaft dem Emmental nicht unähnlich. Die diesjahr saftigen, grünen Wiesen sind umgeben von Mischwäldern mit vielen Fichten. In der Ferne ist der Wurmberg und der Brocken erkennbar. Die Luft ist sehr klar und Gebirgsluft nicht unähnlich. Im Oberharz haben sehr viele Orte die Bezeichnung Luftkurort.


Bild: Eigene Quelle; Tanne, Harz


Kurz nach dem 2. Weltkrieg gab es in Tanne ein Kinderheim für Kinder, die schwächlich und teilweise unterernährt waren. Viele hatten Lungenleiden verschiedenster Art und kamen in diese Gegend um sich zu erholen wenn möglich zu stärken. Die kränklichen Stadtkinder verbrachten meistens 6 Wochen, manchmal auch länger im Kinderheim. Dank der frischen, gesunden Luft, dem guten Essen und der Umgebung wurden viele Leiden gemildert oder gar geheilt und die Kinder konnten gestärkt zurück in ihre Alltagsumgebung. Heute ist dieses Kinderheim umgebaut zu einem schönen Hotel für Gäste aus ganz Deutschland und der Welt.

Tanne ist im Sommer ein sehr beliebter Wander- und Radfahrort und im Winter bei Schnee wird Langlauf und Skisport getrieben.

Sport gilt gemeinhin als gesund. Wenn wir uns körperlich anstrengen regt das die ATMUNG an.

Manchmal geraten wir auch ausser ATEM. Auf jeden Fall werden die Bronchien gedehnt, damit mehr Luft in die Lungen strömen kann und unser Körper möglichst gut mit

Sauerstoff(O2) versorgt werden kann und im ganzen Körper wird der Stoffwechsel angeregt.


ATMEN

Bei jeder EINATMUNG ATMEN wir Sauerstoff ein, wobei zu bedenken ist, dass nur ca. 20,942%(gemessen auf Meereshöhe) vom Volumenanteil der Luft Sauerstoff(O2) ist. Ein weitaus grösserer Bestandteil ist der Stickstoff (N2) mit ca. 78,084% und dann noch Argon(AR) mit ca. 0,934%.

Weitere Anteile der Luft, die als Spurengase bezeichnet werden sind Kohlenstoffdioxid (CO2), Neon(Ne), Helium(He), Wasserstoff(H), Kohlenstoffmonoxid(CO) um nur einige wenige aufzuzählen.

Beim EINATMEN zieht sich die Zwischenrippenmuskulatur zusammen. Der Brustkorb wird dadurch angehoben und der Brustraum vergrössert sich. Gleichzeitig kontrahiert die Zwerchfellmuskuluatur und senkt dadurch das Zwerchfell ab. Durch beide Vorgänge wird die Lunge, die selber keine Muskulatur hat, gedehnt und Luft kann einströmen. Beim AUSATMEN senkt sich der Burstkorb durch das Erschlaffen der Zwischenrippenmuskulatur wieder. Der Brustkorb wird zusammengepresst. Parallel dazu drücken die Bauchmuskeln gegen das erschlaffende Zwerchfell und bringen es wieder nach oben. Die Verkleinerung des Brustraumes bewirkt das Ausströmen der Luft.

Die Lunge selbst besteht aus zwei Flügeln: Der rechte davon ist dreilappig, der linke ist etwas kleiner und zweilappig gegliedert. Die Luftröhre teilt sich in die zwei Hauptbronchien und diese wiederum teilen und verästeln sich in die Bronchien bis hin zu den ganz feinen Bronchiolen. Die kleinsten Kapillaren der Lunge besitzen einen Durchmesser von 0,2-0,6mm. Die ganze Lunge ist innen mit sehr feiner Schleimhaut ausgekleidet. Aussen wird sie durch das Lungenfell geschützt, das direkt an das Rippenfell anliegt. Das Lungen- und Rippenfell zusammen bilden das Brustfell.



Wenn wir AUSATMEN bleibt immer ca. 1/3 der Luft zurück, damit die feinsten Kapillaren nicht zusammenkleben. Wir geben dabei rund 4% CO2, 17% O2 und 1% andere Gase ab, die unser Körper gebildet hat. Der Austausch von CO2 und O2 findet in den Lungenkapillaren statt, die Wand an Wand mit dem Blutkreislauf liegen, nur durch eine hauchdünne, feuchte Wand getrennt, die den Gasaustausch befördert.


ATMUNG IM VERLAUF DES LEBENS

Wenn ein Baby zur Welt kommt nimmt es mit dem ersten Schrei (der angeblich bei allen Babys auf der ganzen Welt auf 440 Herz, also dem Kammerton liegt) Luft auf und die ATUMUNG beginnt. Die ATMUNG können wir nicht willentlich beenden. Wir müssen ATMEN. Wenn wir zu lange unter Wasser sind und womöglich die Orientierung verloren haben, wird uns das zum Verhängnis: Der Körper will und muss ATMEN und anstelle von Luft strömt Wasser in die Lunge. Wenn keine Hilfe kommt ertrinken wir.

Babys können, zur Verzweiflung der Eltern, stundenlang schreien, ohne dabei heiser zu werden. Warum? Sie nutzen die ganzheitliche ATMUNG. Je älter wir werden umso grösser ist die Wahrscheinlichkeit, dass die ganzheitliche ATMUNG verloren geht, abhängig von Sprechvorbildern und auch Kulturkreis. In Kulturkreisen, wo ein Kind sich immer leise zu verhalten hat geht die ganzheitliche ATMUNG schneller verloren, als in Kulturkreisen, wo lautes Sprechen normal ist.

Viele junge Erwachsene und Erwachsene nutzen nicht mehr die ganze ATMUNG. Viele ATMEN nur noch in den Brustbereich ein. Die ATEMMUSKULATUR verkümmert mit der Zeit.

Durch Sport, aber auch Singen können wir dieser Verkümmerung vorbeugen. Wir lernen wieder die ATEMMUSKULATUR zu benutzen und einzusetzen. Meiner Erfahrung nach dauert der gezielte Aufbau der ATEMMUSKULATUR im Durchschnitt ein halbes Jahr.


ATEM IN UNSEREM ALLTAG

ATMEN ist elementar. Das spiegelt sich in unsere Sprache wider. Unzählige Sprichwörter und Sprachwendungen beschäftigen sich mit dem ATEM:

"Hat es Dir den ATEM verschlagen?", "Der ATEM stockt einem", "AUFATMEN", "DURCHATMEN" um nur einige wenige zu nennen.

In Stresssituationen neigen wir alle dazu zu hoch zu ATMEN. Der ATEM rutscht nach oben. Dadurch wird der Körper schlechter mit Sauerstoff versorgt und übersäuert zunehmend, was wiederum Folgen für alle inneren Organen und Zellen hat. Ein Teufelskreis.

In den letzten Jahren wurde erkannt wie wichtig ATMEN und eine gesunde ATEMMUSKULATUR ist. Die Angebote rund um den ATEM haben sich vervielfacht:

ATEMSCHULEN, ATEMTHEARPIEN, YOGAATMUNG, MEDITATION etc.

Sie alle kümmern sich um unseren ATEM der im Alltag oft zu kurz kommt.

Als Sängerin begrüsse und unterstütze ich die Angebote zur ATMUNG. Für mich ist das ATMEN und die ATEMMUSKULATUR mein tägliches Brot. Für den klassischen Gesang ist die Beherrschung des ATEMSTROMS unabdingbar. Durch ihn ist es mir möglich verschiedene Farben, Lautstärken und Klänge zu erzeugen. Unten habe ich ein kleines Video dazu angehängt, auch mit ein paar Übungen.

Für Nichtsänger*innen ist der ATEM aber genauso wichtig. Das Wissen über und um den ATEM hilft uns nachweislich Stress abzubauen und besser mit uns selbest im Einklang zu leben. Unser ATEM lernt uns achtsamer mit uns und unseren Gefühlen umzugehen. Wenn ich merke, dass meine ATMUNG nach oben "rutscht" überlege ich meistens sofort warum dies der Fall ist und lenke dagegen indem ich die ATMUNG entspanne und bewusst nach unten ATME. Meistens genügen schon zwei bis drei ATEMZÜGE und ich entspanne mich wieder und kann den Auslöser der Situation entlarven. So gelingt es mir oft mich meinen negativen Emotionen zu stellen und diese aufzuarbeiten anstatt ihnen davon zu rennen oder sie zu ignorieren.

Für ein gesundes und friedliches Zusammenleben in unserer Gesellschaft wäre das Wissen und vor allem die Anwendung eines gesundes ATEMS sehr hilfreich.

Ich hoffe sehr, dass ich mit diesem Ausflug über und um den ATMEN einen kleinen Beitrag dazu leisten kann. :)





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