Aus dem Leben einer Opernsängerin


Ein Besuch im Treptower Park beim Sowjetische Eherenmal

oder

der Sozialistische Realismus


Es ist ein kühler, aber recht sonniger Sonntag im Januar in Berlin. Schnee liegt keiner, aber der Wind weht eisig aus dem Norden. Wir machen einen Ausflug zum Treptower Park.

Berlin ist eine Grosssatd mit zahlreichen Park- und Grünflächen, was sich im Vergleich zu anderen Grossstädten deutlich in der Luftqualität bemerkbar macht. Manche der Parks sind über hundert Jahre alt. Dazu zählen der Volkspark Humboldthain, der Volkspark Friedrichshain, der Viktoriapark in Kreuzberg und der Treptower Park.

Er liegt direkt an der Spree, hat eine grüne Liegewiese, verschiedene historisch erhaltene Gaststätten, einen alten Rummelplatz, der vielleicht irgendwann wieder laufen wird und etwas verborgen ein Sowjetisches Ehrendenkmal, das zwischen 1946-1949 entstanden und rund 100'000 Quadratmeter gross ist. Im Kampf um Berlin in der Endphase des zweiten Weltkriegs sind rund 7000 Soldaten der Roten Armee gefallen, die in diesem Ehrenmahl ihre letzte Ruhe fanden. Der Treptower Park gehörte nach dem Sieg über Deutschland zur DDR, also indirekt zur Sowjetunion.

Die Gestaltung des Denkmals hatten der Architekt Jakow B. Belopolski, der Bildhauer Jewgeni Wutschetitsch, der Maler Alexander A. Gorpenko und die Ingenieurin Sarra S. Walerius inne. Aus 33 Entwürfen waren sie für diese Aufgabe ausgewählt worden.

Das Ehrenmal ist bis heute auch ein Sinnbild für den damals einsetzenden kalten Krieg. Die Sowjets räumten dem Bau des Ehrenmals Priorität ein, noch vor dem dringend notwendigen Wohnungsbau. Es war ein Zeichen des Sieges, der mitten in Berlin stehen und gleichzeitig auch die unüberwindbare Grösse der Sowjets zeigen sollte.

Es ist also wenig erstaunlich, dass in den kommenden Jahrzehnten das Ehrenmal Schauplatz von Massenveranstaltungen und zahlreichen Politischen Staatsritualen der DDR wurde und darüber der eigentlich Sinn und Zweck einer Gedenkstätte fast in Vergessenheit geriet.

Nach der Wende verpflichtete sich die Bundesrepublik Deutschland im Jahr 1992 gegenüber der Russischen Föderation in einem Abkommen über Kriegsgräberfürsorge dauerhaft ihren Bestand zu gewährleisten, sie zu unterhalten und auch zu reparieren. Jede Veränderung bedarf bis heute der Zustimmung Russlands.

Am 31.8.1994 wurde feierlich der Abzug der russischen Truppen am Ehrenmahl abgehalten. Seit dem 9. Mai 1995 findet jedes Jahr eine Kranzniederlegung dar, die vom "Bund der Antifaschisten Treptow e.V" organisiert wird.

Der Haupteingang des Ehrenmals befindet sich auf der Puschkinallee. Durch einen in Granit gehaltenen Triumphbogen folgt man einer langen, mit Bäumen gesäumten Allee. Am Ende der Allee befindet sich ein Platz mit einer Statue, die eine trauernde Frau darstellt, die um die gefallenen Söhne trauert. Von diesem Vorplatz aus, folgt man einer Birkenallee den Hügel hinauf. Oben auf dem Hügel passiert man zwei grosse aus rotem Granit gemeisselte Fahnen. Von dort aus kann man das Ehrenmal überblicken: Zur Rechten und zu Linken säumen 16 aus Kalkstein gefertigte Sarkophage mit Zitaten Stalins den Weg. Jeder Sarkophag stellt ein Thema dar, zum Beispiel der Angriff der Deutschen, das heldenhafte Sterben der Soldaten und so weiter. Die letzen beiden Sarkophage leiten den Besucher zum aufgeschütteten Grabhügel mit der grossen Statue auf der Kuppel. Die Statue stellt einen Soldaten dar mit einem Kind auf dem Arm. Er steht auf einem zerstörten Hakenkreuz. Unterhalb der Statue befindet sich ein begehbarer Pavillon, in den man hineinschauen kann und dessen Inneres mit einem schönen Mosaik ausgekleidet ist.


Bilder: Eigene Quelle


Es ist ein sehr erhabenes Ehrenmal, das seinem Namen gerecht wird.

Die ganze Denkmalsanlage kann durchaus dem Sozialistischen Realismus zugeordnet werden.

Der Sozialistische Realismus ist eine ideologisch begründete Kunstrichtung die ab 1932 in Russland entstanden ist und sich nach dem zweiten Weltkrieg im "Ostblock" verbreitet hat. Er umfasste Literatur, Malerei, Bildhauerei, Architektur und Musik gleichermassen.

Das Ziel war eine möglichst wirklichkeitsnahe Darstellung der Dinge wieder zu geben, ohne Beschönigung. Sowieso sollte nicht der Einzelne dargestellt werden sondern das Leben des sozialistischen Alltags mit seinen Arbeitern und seiner fortschreitendenTechnik der Industrialisierung.

Rückblickend wissen wir heute, dass durch diese neue Kunstrichtung die Ideologie kontrollierter druchgesetzt werden konnte. Die Kulturministerien der eingegliederten Staaten hatten sich an die von Russland vorgegebene Doktrin zu halten. In der DDR spielte der sozialistische Realismus von Staatsgründung an eine grosse und wichtige Rolle.

Im Literaturbereich zeichnet sich der sozialistische Realismus durch den Versuch der Verschmelzung von Romantik und Realismus aus. Die Literatur handelt oft von von den Helden die beim Aufbau der Sowjetunion helfen. Der arbeitsgeprägte Alltag wird beschrieben.

Mancherorts werden auch Heldenepen wie "Eugen Onegin" oder Romane wie "Krieg und Frieden" verschmolzen zu einer neuen Gattung dem Roman-Epos. Ein Beispiel ist "der Leidensweg" von Alexei Tolstoi.

Autor*innen die nicht systemkonform schrieben wurden verfolgt. Wenn sie erwischt wurden kurzerhand in Arbeitslager, Gulag, transportiert oder gleich hingerichtet. Aus einem Archiv geht hervor, dass ungefähr 2000 Schriftsteller verfolgt wurden und 1500 von ihnen starben; die Dunkelziffer dürfte noch höher sein. Bis heute ist nicht klar wieviele Menschen Opfer von Stalins "Säuberung" wurden, die in zwei Wellen erfolgte. Die "grosse" Welle war von 1936-1938 und eine zweite Welle von 1948 die mit dem Tod Stalins 1953 abrupt endete. Die Schätzung der Opferzahlen gehen bis heute weit auseinander von rund 4 Millionen bis hin zu 20 Millionen oder gar mehr. Unter den Opfern waren zahlreiche ausländische Kommunisten, vermeintliche politische Gegner Stalins, ethnische Minderheiten und ab 1948 einmal mehr jüdische Menschen, denen von Stalin und seinen Gefolgsleuten ein Komplott angehängt wurde in der sogenannten Ärzteverschwörung. Die Opfer wurden unter Vorwänden erstmal in Arbeitslager, Gulag, deportiert, wo sie unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten mussten. Weder Essen noch geeignete Kleidung waren selbstverständlich. Folter und Exekutionen an der Tagesordnung. Die Hintergründe für diesen politisch motivierten Massenmord ist bis heute umstritten. Die einen suchen die Ursache in der Paranoia Stalins, die anderen in seinem Glauben an Verschwörungstheorien.

Das Resultat bleibt dasselbe: Unzählige unschuldige Menschen wurden politisch motiviert unter menschenunwürdigen Umständen behandelt und umgebacht. Es bleibt ein weiterer grausamer Massenmord in der Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts, der im Schatten vom Massenmord des dritten Reiches steht und das obwohl die zweite Welle von Stalins Säuberung NACH dem 2. Weltkrieg stattfand und nicht minder grausam und menschenverachtend war!

Künstler, die sich nicht an die Richtlinien halten wollten konnten nur in die innere Emigration gehen, oder im verborgenen agieren.

Vor 1932 waren in der russischen Musik zwei sehr entgegengesetzte Linien zu beobachten:

Die eine Strömung waren Laienmusiker, die die Volksmusik Russlands erhalten wollten und nichts von der zeitgenössischen klassischen Musik hielt, die erstaunlich heterogen war und von der wir bis heute viele Namen kennen.

Als nun der sozialistische Realismus verkündet wurde widersprach er im Prinzip sowohl der einen, als auch der anderen Richtung. Er verlangte eine Rückbesinnung ins 19. Jahrhundert, mit pseudoromantischen Klängen, was den konservativen Komponisten eher entgegenkam, avantgardistische Komponisten aber dazu zwang sich einen völlig neuen Stil anzugewöhnen um arbeiten zu dürfen.

In der gleichen Zeit wurde die Liedsinfonie als Gattung wichtig. Sie zeichnet sich aus, dass im Prinzip die Sätze einer Sinfonie beibehalten werden, aber der Gesang (Solo und Chor) eingefügt werden.

Manche Komponisten wie Dimitri Schostakovich hielten sich nicht direkt an den sozialistischen Realismus. Schostakovich komponierte für die damalige Zeit sehr riskant und kühn. Die Quittung bekam er nachdem Stalin seine Oper "Lady McBeth von Mzensk" besucht und die 4. Sinfonie gehört hatte. Die Zeitungskritik zerriss die Werke und sparte nicht an Drohung, was in der Zeit der "grossen Säuberung" (1936-1938) wohl verstanden wurde.

Als der zweite Weltkrieg begann war es für die Komponisten selbstverständlich Sinfonien zum Thema "Kampf für die Freiheit" zu schreiben. Die 7. Sinfonie (Leningrader Sinfonie) von Schostakovich ist vielen von uns ein Begriff. Sergei Prokofjew setzte das Thema in einigen Klaviersonaten und einer Sinfonie um. Durch die Darstellung des Bösen konnten die Komponisten zu etwas moderneren und rabiateren Kompositionselementen greifen. Doch die sowieso schon eingeschränkte Schaffensfreiheit währte nicht lange. 1948 wurde eine Resolution auf den Weg gebracht in der unter anderem Prokofjew und Schostakovich neben Chatschaturian, Wissarion Schebalin, Gawriil Popow sowie Mjaskowski scharf kritisiert wurden. Die "Angeklagten" mussten öffentlich ihre "Schuld" eingestehen. Bis auf Mjaskowski leisteten sie Gehorsam. Das Resultat der Resolution des Komponistenverbands war, dass unzählige propagandistische Massenlieder, Kantaten und ähnliches entstand. Nach dem Tod von Stalin wurden die Richtlinien etwas gelockert. Doch die kritisierten Komponisten wurden erst 1958 rehabilitiert.

Die DDR, als vergleichsweise junger Staat, hatte nur relativ kurz die strengen Richtlinien der Doktrin umzusetzen. Das ermöglichte vielen Komponisten sich nach 1952 freier zu entwickeln und sich vom sozialistischen Realismus vorsichtig loszulösen.

Ottmar Gerster und Leo Spies sind Komponisten und Vertreter des sozialistischen Realismus. Paul Dessau kann man nicht wirklich dazu zählen. Hanns Eisler hat in der DDR nur noch wenige, dafür ziemlich aufsehenerregende Werke geschrieben, unter anderem 9 deutsche Volkslieder. Doch auch sein Stil wird nicht wirklich dem sozialistischen Realismus gerecht, vor allem wenn man an seine frühen Werke denkt.

Die DDR hat viele Komponisten und spannende Kompositionen des 20. Jahrhunderts hervorgebracht. Darüber werde ich in einem meiner nächsten Blogbeiträge schreiben.

In Berlin zeugt neben dem Treptower Ehrenmal auch die heutige Karl-Marx-Alle vom sozialistischen Realismus. Die Strasse ist sehr breit und wurde oft für Paraden genutzt. Sie verläuft vom Alexanderplatz bis zum Frankfurtertor und darüberhinaus bis nach Lichtenberg. Die angrenzenden Häuser sind teilweise Plattenbauten, aber vom Straussbergerplatz bis zum Frankfurter Tor und noch etwas weiter sind die Häuser architektonisch ein Mix zwischen Sozialistischem Klassizismus und Schinkel-Schule.

Ein Bummel vom Strausberger Platz bis zur Frankfurter Allee lohnt sich. Die Allee ist sehr grosszügig, der Gehweg gesäumt mit Bäumen und Gras. Es gibt zahlreiche einladende kleine Läden, Cafés und Restaurants. Die weissgekachelten hohen Häuser strahlen etwas Erhabenes aus und fast ein Flair, das ich in manchen Städten im Süden gefunden habe wie Marseille oder Lissabon.

Berlin ist eine sehr vielfältige Stadt mit vielen Gesichtern. Jedes dieser Gesichter erzählt etwas von der spannenden Geschichte, die diese Stadt erlebt hat.

Es ist schön und wichtig die Geschichte zu erhalten, so wie das Sowjetische Ehrenmal, das bis Mai dieses Jahres sorgfältig renoviert wird.











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