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Alltag am Biererberg oder spielen bei jedem Wetter

Das allgemeine Befinden...

Inzwischen liegen bereits 12 von 24 Vorstellungen hinter uns und weitere 10 ab heute vor uns.

Langweilig wird es nie, weil dieses Jahr einfach keine Routine einkehrt.

Krankheitsbedingt, sei es nun Corona oder anderes (ja, es gibt noch ungefähr 6 Milliarden andere Viren, die man sich holen kann ausser Corona) hatten wir diverse Umbesetzungen, verbunden mit den entsprechenden Proben. Die Gäste sollten ja einigermassen wissen woher sie kommen, wohin sie gehen und welche Tanzschritte sie machen sollten und welche Dialogfassung gegeben wird. Wir Ursprünglichen bemühen uns zwar sehr die Gäste mit zunehmen und zu lotsen während der Aufführung, aber inzwischen sind wir deutlich in der Unterzahl und das macht das Unternehmen etwas schwierig, denn von den ursprünglich besetzten Solist:innen sind noch Danilo, Hanna (also ich) und St. Brioche original besetzt und standhaft. Alle anderen also Njegus, Zeta, Cascada, Valancienne und Camille wurden in den letzten 2 Wochen ständig um- und neubesetzt, weil die Protagonistinnen krank waren/sind. Die Gäste konnten auch nicht immer und die ganze Zeit, so dass es auch innerhalb der Gäste zu Umbesetzungen kam.

Ich habe aufgehört zu zählen wieviele Cascadas, Rossillions, Valanciennes und Zetas wir inzwischen hatten. Einzig der Ersatz Njegus, gespielt vom Regieassistenten Raphael Dreissig, der meinen grössten Respekt für seine Leistung verdient, blieb der Gleiche. Heute kommt nun der original Njegus Dirk Lohr wieder zurück!

Gut dass die Witwe ein sehr bekanntes und oft gespieltes Stück ist, so dass es immer irgendwo nach stundenlangem Telefonieren von Maestro Horstmann einen Ersatz gibt. Aber der Aufwand, die Arbeit! Es ist ein Wahnsinn, den ich in der Form noch nie erlebt habe und hoffentlich so schnell auch nicht wieder erleben werde.

Wir hoffen nun, dass die erkrankten Kolleg:innen bis Ende der Woche Stück für Stück zurückkommen! Drückt uns die Daumen dafür!


...und das Wetter

Der Biererberg hat eine ganz eigene Energie und auch ein eigenes Klima. Es kann vorkommen, dass es in Schönebeck Bad Salzelmen regnet und am Biererberg nicht.

So verrückt wie die diversen Umbesetzungen ist dieses Jahr auch das Wetter.

Im Mai fingen wir die Proben draussen zwischen 10°C- vielleicht 20°C an. Zwiebelprinzip war angesagt, es war wirklich lange frisch, hat auch öfter geregnet, so dass wir auf das Bootshaus ausweichen mussten.

Dann kam der Juni und mit dem Juni so etwas ähnliches wie Wärme. Wir bleiben aber bescheiden bei etwa 20°C-28°C. Dann kam die erste Komplettprobe bei über 30°C und hoher Luftfeuchtigkeit, um bei der HP und GP wieder auf circa 20-25°C abzukühlen.

Die Premiere verlief bei angenehmen 25-28°C und Sonnenschein. Die Sonntagsvorstellung war ähnlich. Die Woche nach der Premiere war Wettertechnisch eine Herausforderung:

Mittwoch 28°C noch angenehm, Donnerstag über 30°C hohe Luftfeuchtigkeit, auf Freitag ein Wetterumschwung alles auf 15°C und regnerisch nass, also nicht zu regnerisch, so dass wir spielen konnten ohne grössere Unterbrechungen. An dem Tag ist dann auch die Mikroanlage ausgefallen, weil durch die Nässe irgendwo ein Kurzschluss war und wir mussten auf einmal alles ohne Verstärkung singen und spielen. Das war einerseits ein Nachteil, weil wir alles lauter sprechen und singen mussten, gab aber gerade dadurch auch unfassbar intime Momente wie bei "Lippen schweigen", weil das Publikum gezwungen war wirklich zu zuhören. Auch die Musiker im Orchestergraben mussten hochkonzentriert lauschen und wir mussten uns gegenseitig vertrauen, damit wir genau zusammen waren. Das war einer der wertvollsten musikalischen Momente für mich am Berg. Im Finale III ging die Anlage auf einmal wieder, worüber wir alle dann doch froh waren.

Samstag wieder 28-30°C und Sonntag 30°C mit sehr hoher Luftfeuchtigkeit.

Montag und Dienstag war ich dann in Berlin. Das 9Euro Ticket ist ja nett gedacht, bringt aber wirklich alles auf die Bahn, was irgendwie krauchen kann. Mit anderen Worten: Die Züge sind sehr gut gefüllt, wenn nicht überfüllt, aber das so nebenbei.

In der zweiten Spielwoche begann der Mittwoch ganz ordentlich, nicht zu heiss und nicht zu kalt, wurde gefolgt von einem recht netten Donnerstag, um dann am Freitag Punkt 16h einen Platzregen über dem Publikum auszuschütten, das in einer stoischen Ruhe sitzen blieb, die ich nur bewundern kann. Der Vorteil davon war, dass er wenigstens nach 15 Minuten ein Ende hatte. Wir haben also die Vorstellung etwas später aber halbwegs trocken starten können und der Regen kam auch nicht mehr zurück. Samstag und Sonntag waren die Temperaturen relativ frisch und das Wetter launig, man musste wirklich mit allem rechnen, auch mit plötzlichem Regen. Wir zogen uns wieder Jacken und Pullis an, wenn wir raus gingen um dann ab gestern wieder in T-Shirts und leichten Sachen rum zu rennen...

Diese und nächste Woche soll es nun heiss werden angeblich bis zu 38°C, was dann auf der Bühne locker 40°C bedeuten dürfte, weil die Wärme von der Bühne noch einmal anders reflektiert wird. Wir werden gespannt bleiben und der Dinge harren, die da kommen.


Fazit

Auf jeden Fall sind die ständigen Temperaturschwankungen für unseren Kreislauf und auch das Immunsystem eine echte Herausforderung.

Bei Hitze schwellen logischerweise die Schleimhäute an, das kann dazu führen, dass die Stimme nicht so leicht anspringt wie sonst oder bishin zu der "Hitzeheiserkeit", wo man sich als Sänger:in wie heiser fühlt, es aber eigentlich nicht ist. Wenn es zu kalt ist, wird es schwieriger für die Bronchien, denen die Blütenstaub Belastung auch schon zu schaffen macht.

Kurz: Openair ist eine echte Challenge für den Körper und besonders dann wenn man singen muss. Wir spielen immer 5 Vorstellungen an 5 aufeinanderfolgenden Tagen, das macht es nicht leichter. Es heisst sich die Energie gut einzuteilen und trotzdem immer alles zu geben.

Wenn es sehr heiss ist kann ich eigentlich nichts anderes machen als genug zu trinken(Meistens schaffe ich dann 1,5-2 Liter während der Vorstellung) und in der Pause nach Kneippverfahren meine Beine und Arme kühlen. Wenn es kalt ist, versuche ich mich mit einem Tuch hinter der Bühne warm zu halten. Es ist schön und sinnlich mit viel Dekolleté zu spielen, aber den Bronchien darunter gefällt das nur mässig bei kühlen Temperaturen und das Risiko sich eine Erkältung zu holen ist nicht zu verachten und eigentlich zu vermeiden.

Für mich ist das Ganze hier eine Herausforderung der ich mich mit viel Freude stelle. Mir macht es grosse Freude auf dem Biererberg die Hanna zu singen und zu spielen und sobald ich die Bühne betrete ist es mir vollkommen egal, ob es nun Regnet, die Sonne runterbrennt oder stürmt. Das Einzige was ich dann beachte ist, dass ich bei Wind kein Bühnenteil auf den Kopf bekomme und bei Regen nicht unelegant auf meinem Hintern lande, weil ich auf der Bühne ausrutsche...ansonsten: Läuft!


Wir sind noch diese und nächste Woche von Mittwoch bis und mit Sonntag um 16h auf dem Berg anzutreffen! Wer will und kann sollte sich das Spektakel nicht entgehen lassen: www.mitteldeutsche-kammerphilharmonie.de


Anbei noch ein niedliches Video von der diesjährigen Kinderoperette, wo aus dem Weibermarsch ein Kindermarsch wurde.

Den findet Ihr auch auf TikTok: @mitteldeutschekp und auf dem neuen Instagramkanal: mitteldeutschekp, die Mitteldeutsche Kammerphilharmonie freut sich über Follower:innen!











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